Pressemitteilung: Bericht zum Globalen Index für Mehrdimensionale Armut 2025
20. Oktober 2025
Neuer Mehrdimensionaler Armutsindex zeigt: Weltweit leben fast 80 % der Menschen in Armut in Regionen, die Klimarisiken ausgesetzt sind
New York, 17. Oktober 2025 – Ein neuer Bericht, der Globale Index für Mehrdimensionale Armut 2025 (MPI), liefert entscheidende neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Klimarisiken und Armut. Er zeigt, dass die Klimakrise die globale Armut grundlegend verändert.
Der Bericht vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und der Universität Oxford mit dem Titel „Overlapping Hardships: Poverty and Climate Hazards“ verknüpft erstmals Klimarisikodaten mit Daten zur mehrdimensionalen Armut. Die Ergebnisse zeigen, dass Armut kein eigenständiges sozioökonomisches Phänomen mehr ist, sondern eng mit planetaren Belastungen und Instabilität verknüpft ist.
Der Bericht stellt fest, dass 887 Millionen Menschen in akuter mehrdimensionaler Armut leben – das sind 78,8 Prozent der untersuchten 1,1 Milliarden von Armut betroffenen Menschen – und sich in Regionen aufhalten, die mindestens einem von vier zentralen Klimarisiken ausgesetzt sind: extreme Hitze, Dürre, Überschwemmungen oder Luftverschmutzung. Die Belastung durch Klimarisiken verschärft Benachteiligungen, da Armut durch zusätzliche Umweltbelastungen verstärkt, vertieft und verfestigt wird.
„Unsere Welt steht vor einem entwicklungspolitischen Notfall. Nach Jahrzehnten des Fortschritts in der menschlichen Entwicklung stagnieren die Fortschritte nun in alarmierendem Ausmaß. Wir haben einen Kipppunkt erreicht“, sagte Haoliang Xu, amtierender Administrator des UNDP. „Die neue Forschung zeigt, dass wir zur Überwindung der globalen Armut und für die Gewährleistung einer stabileren Welt die Klimarisiken ernst nehmen müssen, von denen fast 900 Millionen in Armut lebender Menschen bedroht sind.“
Die Last gleichzeitiger Armut und Klimarisiken
Die Ergebnisse zeigen, dass Armutsbetroffene weltweit häufig gleichzeitig mehreren Umweltbelastungen ausgesetzt sind.
- Von den 887 Millionen Armutsbetroffenen, die mindestens einem Klimarisiko ausgesetzt sind, sind 651 Millionen zwei oder mehr Risiken gleichzeitig ausgesetzt.
- Alarmierend ist, dass 309 Millionen Armutsbetroffene drei oder vier überlappende Klimarisiken in derselben Zeit erleben, in der sie sich in akuter mehrdimensionaler Armut befinden. Diese Menschen tragen eine „dreifache oder vierfache Last“ und verfügen häufig über begrenzte Ressourcen und kaum Zugang zu sozialen Sicherungssystemen, was ihre Belastung zusätzlich verstärkt.
- Die am weitesten verbreiteten Risiken für armutsbetroffene Menschen sind extreme Hitze (608 Millionen) und Luftverschmutzung (577 Millionen). 465 Millionen Armutsbetroffene leben in überschwemmungsgefährdeten Regionen, während 207 Millionen in Gebieten mit Dürre leben.
„Länder mit mittlerem Einkommen sind ein verborgenes Epizentrum mehrdimensionaler Armut. Dort leben fast zwei Drittel aller Menschen in Armut, einschließlich aller in Europa und Zentralasien, Lateinamerika sowie Ostasien und dem Pazifik, und fast aller in Südasien“, sagte Mitautorin Sabina Alkire, Direktorin der Oxford Poverty and Human Development Initiative.
Geografische und wirtschaftliche Brennpunkte
Die Belastung durch Klimarisiken ist regional und nach Einkommensgruppen ungleich verteilt.
- Südasien und Subsahara-Afrika werden als globale Brennpunkte dieser kumulativen Belastungen identifiziert. Sie verzeichnen die größten Zahlen armutsbetroffener Menschen in Regionen, die von Klimarisiken betroffen sind (380 Millionen bzw. 344 Millionen).
- In Südasien ist die Belastung nahezu flächendeckend. 99,1 Prozent der Armutsbetroffenen in der Region sind mindestens einem Klimaschock ausgesetzt (380 Millionen Menschen), und 91,6 Prozent (351 Millionen) sind zwei oder mehr Risiken ausgesetzt – deutlich mehr als in jeder anderen Weltregion. Trotz bemerkenswerter und historischer Erfolge bei der Armutsbekämpfung muss der Klimaschutz in Südasien weiter beschleunigt werden.
- Nach Einkommensgruppen tragen Länder mit niedrigem mittlerem Einkommen die größte Belastung durch die Gefährdung Armutsbetroffenen durch Klimarisiken – sowohl in absoluten Zahlen als auch im Anteil. Etwa 548 Millionen armutsbetroffene Menschen in Ländern mit niedrigem mittlerem Einkommen sind mindestens einem Klimarisiko ausgesetzt. Das entspricht 61,8 Prozent der in Armut lebenden Menschen weltweit, die einem Klimarisiko ausgesetzt sind. Besonders relevant ist, dass über 470 Millionen Menschen in Armut in diesen Ländern zwei oder mehr gleichzeitige Klimarisiken bewältigen müssen.
Prognostizierte zukünftige Ungleichheit
„Die identifizierten Belastungen beschränken sich nicht auf die Gegenwart, sondern werden sich in Zukunft voraussichtlich verstärken“, sagte Pedro Conceição, Direktor des Human Development Report Office des UNDP. Die Analyse von Temperaturprojektionen zeigt, dass Länder mit höheren aktuellen Werten mehrdimensionaler Armut bis zum Ende dieses Jahrhunderts voraussichtlich die stärksten Temperaturanstiege erleben werden.
Der Globale MPI-Bericht 2025 analysiert außerdem Trends in 88 Ländern, untergliedert nach Altersgruppen, Stadt-Land-Gebieten und subnationalen Regionen. Dabei zeigt sich, dass zwar 76 Länder im Laufe der Zeit Armut deutlich reduziert haben, der Erfolg in der globalen Armutsbekämpfung nach der Pandemie jedoch zu stagnieren droht.
Diese Erkenntnisse verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf, um die ungleiche Belastung durch klimabedingte Risiken für Menschen in mehrdimensionaler Armut anzugehen. Die Bewältigung dieser überlappenden Risiken erfordert ein entschlossenes Vorgehen, einschließlich klimaresilienter Strategien zur Armutsbekämpfung, gestärkter lokaler Anpassungskapazitäten sowie ausgeweiteter internationaler Umverteilung und gemeinsamer Finanzierungsmechanismen.
Pressekontakte
Für weitere Informationen oder Interviewanfragen kontaktieren Sie:
In New York: Stanislav Saling, stanislav.saling@undp.org
In Oxford: Maya Evans, maya.evans@qeh.ox.ac.uk
In Berlin: Filipe Ataide Lampe, otto.filipe.ataide.lampe@undp.org
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Über UNDP: UNDP ist als Organisation der Vereinten Nationen im Einsatz gegen Armut, Ungleichheit und der Bekämpfung der Klimakrise. Gemeinsam mit einem breiten Netzwerk von Expertinnen und Experten sowie Partnern in 170 Ländern unterstützt es Staaten dabei, nachhaltige Lösungen für Menschen und Planet zu entwickeln. Mehr unter undp.org oder auf X unter @UNDP.
Über OPHI: Die Oxford Poverty and Human Development Initiative (OPHI) ist ein Forschungszentrum an der Universität Oxford. Es arbeitet an der mehrdimensionalen Messung von Armut und Wohlstand, um eine wirksame Politikgestaltung weltweit zu unterstützen.