|
Ich freue mich über die Gelegenheit, den Prolog zu diesem wichtigen Band schreiben zu können. Es sind drei Gründe, aus
denen ich dieses Buch für wichtig erachte.
Erstens bin ich der Ansicht, daß dieses Buch neue Gebiete erschließt, indem es das Konzept der „öffentlichen Güter" von der nationalen auf die globale Ebene
überträgt. Es liefert den überzeugenden Beweis dafür, daß die beiden Grundvoraussetzungen für ein öffentliches Gut, Nichtrivalität und Nichtausschließbarkeit, auf globaler Ebene in Bereichen wie Umwelt, Gesundheit,
Kultur und Frieden ebenfalls Anwendung finden können. Insbesondere hat es mich davon überzeugt, daß finanzielle Stabilität, Internet und Wissen als globale öffentliche Güter betrachtet werden können.
Zweitens
stimme ich mit der These des Buches überein, daß wir in einer zunehmend integrierten und vernetzten Welt leben. In dieser neuen Welt verändert sich die Souveränität der Staates aufgrund zweier gegensätzlicher
Entwicklungen. Einerseits sind Staaten zur Lösung ihrer Probleme zur Zusammenarbeit gezwungen. Das betrifft Bereiche wie Umwelt, Gesundheit, Frieden, Wissen, aber auch, wie wir erst kürzlich erlebt haben, den Bereich
finanzielle Stabilität. Andererseits geht die Tendenz in Richtung Subsidiarität oder des Prinzips der Übertragung von Entscheidungsgewalt auf die niedrigstmögliche Ebene.
Drittens bietet das Buch meiner Ansicht
nach ein überzeugendes Argument für die Notwendigkeit, die Grundlagen internationaler Hilfeleistungen neu zu überdenken. Es reicht nicht länger aus, die internationale Unterstützung Empfängerländern oder spezifischen
Sektoren zuzuleiten.
Der Grund dafür ist, daß einige globale öffentliche Güter sich über mehrere Sektoren erstrecken. Wie finanzieren wir globale öffentliche Güter? Sind die bestehenden Institutionen angemessen?
Wenn nicht, wie sollten sie reformiert werden? Brauchen wir neue Institutionen? Wie integrieren wir in unsere Institutionen das Ethos des Tripartismus von Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft?
Dieses
Buch sucht nach Antworten auf diese und viele andere wichtige politische Fragen. Es steckt einen neuen intellektuellen Rahmen ab, in dem es über internationale Hilfeleistung nachzudenken gilt. Zudem liefert es ein neues
beweiskräftiges Argument für verstärkte internationale Zusammenarbeit, damit die globalen öffentlichen Güter geschaffen werden können, die es vermögen, der Globalisierung ein menschliches Antlitz zu verleihen.
Professor Tommy Koh Ambassador-at-Large Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten Singapur Geschäftsführender Direktor Asien-Europa Stiftung |